Heute ist ein guter Tag, um mal den Reisebericht einzuleiten, denn gestern las ich gerade, daß die Hurricane-Saison 2026 jetzt begonnen habe. Und das beförderte mich schlagartig zurück an den Moment vor ungefähr einem Jahr, als wir die Reise, die jetzt hinter uns liegt, gerade gebucht hatten und das große Zittern während der Hurricane-Saison 2025 begann. Denn wir hatten mehr als nur eine Aktivität vor, die durch einen Hurricane komplett und vielleicht endgültig hätte scheitern können.
Jeder Tropensturm, der sich der südöstlichen Seite Floridas näherte, wurde von mir sorgenvoll beobachtet, und jedesmal die Erleichterung, wenn „unsere“ Orte verschont geblieben waren. Und je näher wir dem Abreisezeitpunkt kamen, die Vorfreude, daß die vielen Pläne sich vielleicht wirklich alle würden realisieren lassen.
Am Ende hat dann tatsächlich das meiste so geklappt, wie wir es uns gewünscht hatten, manches sogar viel schöner als erwartet, aber einiges ist auch schief gelaufen, manche Momente waren sogar mehr als unschön und beängstigend, aber am Ende sollte einiges wohl auch so laufen und war schlußendlich sogar zu unserem Vorteil. Insgesamt war es ein wilder Ritt, fünf Wochen, davon vier in Florida, unterbrochen durch eine Woche Bahamas. Und das alles auch noch ohne Challenger!
Jetzt sortieren wir mal passende Fotos heraus und dann geht’s bald los. Wer uns begleiten mag, es gibt diesmal nicht nur Quellen und Alligatoren zu sehen, und wenn, dann anders als gewohnt. Wir haben einiges erlebt, das wir so oder überhaupt noch nicht gesehen hatten.
Florida ist halt einfach unerschöpflich.
https://www.youtube.com/watch?v=juFeK2w ... rt_radio=1
Blue Holes, Backroads und Buschbrände - Florida und Bahamas 2026
Blue Holes, Backroads und Buschbrände - Florida und Bahamas 2026
Wenn du keine Kokosmilch hast, machste einfach normales Wasser.
- Grubi -
https://s12.directupload.net/images/210215/bx7vkcag.jpg
- Grubi -
https://s12.directupload.net/images/210215/bx7vkcag.jpg
Re: Blue Holes, Backroads und Buschbrände - Florida und Bahamas 2026
Wir starten diesmal mitten in der Woche. Das habe ich eigentlich nicht so gern, direkt von der Arbeit ins Flugzeug, aber da unser Zubringer nach Frankfurt schon morgens vor Sieben startet, entschließen wir uns einfach, die Nacht durchzumachen.
Den Bürostreß, den man ja logischerweise hat, wenn man fünf Wochen Urlaub antritt, kann ich dann ganz gut hinter mir lassen. Wir muckeln jeder für sich in der Wohnung herum, am Ende habe ich sogar Zeit, noch zwei Stunden ein paar Serienfolgen zu gucken, bevor es losgeht.
Am BER ist eigentlich um diese Uhrzeit noch nicht viel los, aber die Selbst-Eincheckautomaten sind defekt und so stehen dann doch alle in einer endlosen Schlange an den Schaltern, die natürlich total unterbesetzt sind, und es zieht sich.
Wir fliegen Lufthansa und unser Abflugtag liegt in einer Lücke, in der gerade mal weder Piloten noch Kabinenpersonal streiken, wir Glückspilze! Der Flug nach Frankfurt ist schnell vorbei und das großzügige Zeitfenster zwischen Zubringer und Langstrecke macht das Umsteigen entspannt.
Als wir an unserem Gate ankommen, ist der Mister beeindruckt. Eine Boeing 747-8, das längste Passagierflugzeug der Welt, wartet auf uns. Der Riesenvogel ist tatsächlich ausgebucht, von Touristenmangel in Florida ist zumindest hier und heute nichts zu merken.

Wir haben den Mittel- und Gangplatz in einer Dreierreihe, aber der Trick geht nicht auf, ausgebucht ist ausgebucht, und natürlich erscheint dann noch jemand für den Fensterplatz. Ein netter junger Mann, der uns die Hälfte seines Essens abtritt. Lufthansa kann mit Air France natürlich lange nicht mithalten was den Mampf anbetrifft, aber den Nachtisch und den Käse nehmen wir dankend an. Dazu Rotwein, also zumindest ich bin zufrieden.
Die Filmauswahl ist umfangreich, ich gucke Eden, die Verfilmung des bis heute nicht völlig aufgeklärten Mordfalles um die Deutschen Auswandererfamilien Ritter und Wittmer auf den Galapagosinseln in den 30er Jahren. Die Geschichte ist mir ganz gut bekannt und ich war sowieso sehr gespannt auf den Film. Daniel Brühl mag ich auch und die Verfilmung gefällt mir. Es ist fesselnd, trotz der zwei Stunden Länge, und es vertreibt die Müdigkeit.
https://www.youtube.com/watch?v=Te5KROi7SWk
Wie immer, wenn man tagsüber mit der Zeit fliegt, scheint der Tag sich endlos auszudehnen. Aber irgendwann ist es geschafft, wir fliegen zwischen Florida und Grand Bahama die Küste entlang und biegen dort scharf rechts ab nach Miami.

Daß wir nicht gleich auf die Bahamas fliegen, sondern erst daran vorbei und später wieder zurück, hat seine Gründe in den Preisen von British Airways, die für einen Direktflug nach Nassau solche aberwitzigen Summen für einen normalen Ecoplatz haben wollten, daß wir dankend verzichteten und lieber den Umweg in Kauf nahmen und daraus dann auch gleich einen richtigen Aufenthalt machen wollten.
Drei Tage Miami als Einstieg, zum Akklimatisieren und auch um mal etwas Neues auszuprobieren. Die Unterkunft für die ersten drei Tage hat der Mister ausgesucht. Mal nicht, wie sonst immer, Miami Beach, sondern Miami direkt, historisches Viertel, historisches Hotel. Wir sind sehr gespannt.
Neu ist daher für uns auch, daß wir diesmal nicht zum Car Rental Center müssen. Gehen Sie nicht am bunten Fenster vorbei zum Mover, ziehen sie keinen Mietwagen ein, sondern rücken Sie direkt zum Taxistand vor. Dauert ein bißchen, bis wir uns orientiert haben.
Draußen steht ein Dispatcher, der uns ein Taxi zuweist, die Fahrt dauert gut 20 Minuten. Irgendwo kurz vor Downtown verlassen wir die Autobahn und gelangen in ein Viertel mit kleinen Einfamilienhäusern zwischen dem Miami River, von dem unser Hotel seinen Namen hat, und der Interstate 95, die das Wohngebiet von den Hochhäusern in Brickell trennt. Im Vorbeifahren passieren wir die Anlagen der Reiterstaffel von Miami, leider zu schnell, um ein Foto zu machen. Ich wußte gar nicht, daß Miami überhaupt berittene Polizei hat.
Und dann sind wir angekommen im Miami River Inn.

Es ist heiß, der Himmel strahlend blau, und die weißen Art Déco-Gebäude, die das Hotel zur Straße hin begrenzen, sehen sehr ansprechend aus.

Check in ist schnell erledigt, und dann geht es hinein in die Anlage des Miami River Inn. Das erste, das man wahrnimmt, sind die Gerüche. Zwischen den Gebäuden ist die Bepflanzung so üppig, daß man sich in einem tropischen Garten glaubt. Die in unterschiedlichen Pastelltönen gestrichenen Holzhäuser sehen aus, als wären sie ursprünglich historische Einfamilienhäuser, aber tatsächlich ist dies der originale Teil des 1908 gegründeten Hotels und die Art Déco-Anlage im Eingangsbereich ist vermutlich erst später hinzugefügt worden.

Alles sieht sehr gepflegt aus, was bei den Holzgebäuden in dem subtropischen Klima sicher recht aufwendig ist. Hinter den Fenster und Terrassentüren zur jeweiligen Fassadenfarbe passende Jalousien, auf den Veranden Rattanmöbel, herrlich.
Die Häuser sind unterschiedlich groß, vor allem das Gelbe ist eine regelrechte Villa.

Unser Haus ist das grüne, hier haben wir ein großes Zimmer im ersten Stock, die Treppe ist gottseidank nicht hoch. Auch drinnen alles so gestaltet, als wären die Häuser privat bewohnt, keine nüchterne Zweckmäßigkeit. Kleine Beistelltischchen, historischer Nippes, alte Nähmaschinen, Regale voller Bücher, Gemälde.

Im Zimmer die nächste angenehme Überraschung: Die Klimaanlage läßt sich abschalten und die Fenster lassen sich öffnen. Und wenn man eines der Bücher dazwischenklemmt, bleiben sie auch auf. Vor dem Fenster wedeln die Bananenblätter und leise Musik dringt aus dem Restaurant herein. Wir finden es toll.
Das einzig Negative ist, daß es abgesehen von den überteuerten Snacks an der Rezeption weit und breit keinen Convenience Store zu geben scheint. Aber Google hilft, den nächstgelegenen Publix zu finden. Wer muß gehen? Das Los fällt auf mich.
Bevor mich die Müdigkeit also endgültig in die Horizontale zwingt, marschiere ich los, immer parallel zur 95, die hoch über mir verläuft. Darunter eine kleine Parkanlage zwischen gepflegten kleinen Bungalows. Eltern mit Kindern streben dem Spielplatz zu, Leute treiben Sport oder werkeln in ihren Gärten. Ein Idyll ist das hier.
Das Miami River Inn liegt in der 2nd Street und die Blocks sind nur kurz. An der 6th einmal links abgebogen und unter der 95 drunter durch, dahinter ist dann schon der Publix, von weitem gut zu erkennen. Auch die Unterführung unter der 95 ist nicht gruselig, keine Gestalten, keine Obdachlosenstadt.
Also, falls sich jemand immer schon mal gefragt haben sollte, wie es wohl gerade unter einem ausschaut, wenn man über die Hochstraße nach Downtown fährt:

Drei Jahre waren wir nicht mehr in Florida. Vor der Reise kam es mir lange vor, jetzt, wo wir wieder hier sind, ist es sehr vertraut, die Gerüche, die Luft, die Wärme, die Geräusche. Daß sich doch etwas verändert hat, merke ich, als ich mit meinen paar Getränken und Snacks an der Kasse stehe. 60 Dollar, in Worten: Sechzig, will man von mir für die paar Sachen. Okeeh, das ist gewöhnungsbedürftig.
Zurück in der 2nd Street kommen mir Leute entgegen, die optisch stark an Berliner Love Parade-Teilnehmer erinnern, und auf der Tanzfläche neben dem Restaurant drehen sich ein paar Leute so verzückt herum, daß man unterstellen darf, daß sie das sind, was man so under influence nennt. Angesichts des geschätzten Alters, das nah an unserem eigenen liegt, tippe ich auf Ekstasepillenkonsumenten, nur Marihuana allein stellt diesen Zustand nicht her.
Wir wußten vorher, daß hier gelegentlich Party gemacht wird und waren darauf eingestellt, daß hier vielleicht an ein paar Tagen die Woche Remmidemmi ist. Es ist dann aber gar nicht so schlimm, die Musik ist Funk und Disco, die Besucherzahlen überschaubar, die Lautstärke erträglich, für uns sowieso, weil unser Zimmer nach hinten rausgeht.
Ich finde es eher bemerkenswert, daß eine der ältesten Unterkünfte in ganz Miami es geschafft hat, sich 120 Jahre später neu zu erfinden. Die Leute scheinen zum Teil keine Gäste zu sein, sondern nur wegen der Party herzukommen. Die findet in einem kleinen Tanzbereich vor dem Restaurant statt, dahinter ein zu einer Bar umgestalteter Reisebus. Im Restaurant selbst ist das Angebot überschaubar, Burger und Pizza aus dem Steinofen.
Der Mister hat bald seinen Stammplatz auf unserer grünen Veranda gefunden, von wo aus man den direkten Blick auf die Tanzenden hat und so in Hörweite sitzt, daß man alles bequem shazamen kann, was einem gefällt. Die Musik trifft unseren Geschmack, die Stimmung und das Ambiente auch. Ich halte nicht mehr so lange durch und bin ziemlich bald eingeschlafen.
Am nächsten Morgen ist alles ruhig. Die Tanzenden sind abgezogen, keine Geräusche außer Vogelgezwitscher. Selbst die Autobahn hört man nicht. Das einzige Zivilisationsgeräusch ist mehrmals täglich das Bimmeln der Zugbrücke über den Miami River, der direkt hinter dem Hotel verläuft.

Wir haben uns gestern schon ausgemalt, wie das hier herum wohl ausgesehen hat, als das Inn 1908 gegründet wurde. Brickell, das ja ursprünglich mal Farmland war, war 1908 vermutlich schon nicht mehr sehr ländlich, aber die Gegend hier um den Fluß muß sicher sehr idyllisch gewesen sein.
Wir beginnen den Tag ganz gemütlich, Frühstück im Bett und Abhängen. Ich klemme mich ans Handy, denn morgen haben wir einen Ausflug vor und ohne Mietwagen gilt es da die Anreise zu organisieren.
Wir könnten uns natürlich an der Rezeption ein Taxi rufen lassen, aber wo wir diesmal sowieso schon nicht auf die übliche Weise unterwegs sind, warum dann nicht auch jetzt mal was Neues ausprobieren. Also gebe ich Uber mal eine Chance.
Die App ist schnell geladen und dann gebe ich Ziel und Uhrzeit ein und tatsächlich meldet sich auch ziemlich schnell ein Fahrer, der die Tour übernimmt. Für die Rückfahrt findet sich erstmal niemand, aber da bin ich ganz entspannt, nur auf dem Hinweg müssen wir pünktlich sein, es ist eine Gruppentour mit festem Beginntermin. Auf dem Rückweg ist es egal, wann und wie wir zurückkommen, und es ist ja auch noch ein ganzer Tag Zeit.

Während der Mister auf der grünen Veranda Posten bezieht, habe ich heute noch einen weiten Weg vor mir, denn hinter unserem Wohnviertel schließt sich nach Westen Little Havana an. Auch wenn ich eigentlich gern noch einen Tag Jetlag auskuriert hätte, treibt mich die Neugier an, ein neues Viertel von Miami kennenzulernen.
Das Miami River Inn liegt in der 2nd Street und ich marschiere vorbei an der 6., wo der Publix liegt, noch zwei Blöcke weiter, bis zur 8. Straße.
Hier, an der Auffahrt auf die 95, nimmt nach rechts der Highway 41 seinen Anfang. Die Straße, die in Orlando zum Orange Blossom Trail wird und einen später an Lake City vorbei bis nach Georgia führt, und die wir auch auf dieser Reise noch oft fahren werden. Nur daß sie hier zu Beginn noch niemand „die 41“ nennt, denn hier hat sie andere Namen.

Für Naturliebhaber ist sie der Tamiami Trail, der einen aus den Hochhausschluchten direkt in den Big Cypress Swamp und in die Everglades führt.
Die meisten nennen diesen Teil der Straße aber noch mal anders. Denn wir sind ja in Little Havana, und was heißt achte Straße auf Spanisch? Genau: Calle Ocho.

Den Bürostreß, den man ja logischerweise hat, wenn man fünf Wochen Urlaub antritt, kann ich dann ganz gut hinter mir lassen. Wir muckeln jeder für sich in der Wohnung herum, am Ende habe ich sogar Zeit, noch zwei Stunden ein paar Serienfolgen zu gucken, bevor es losgeht.
Am BER ist eigentlich um diese Uhrzeit noch nicht viel los, aber die Selbst-Eincheckautomaten sind defekt und so stehen dann doch alle in einer endlosen Schlange an den Schaltern, die natürlich total unterbesetzt sind, und es zieht sich.
Wir fliegen Lufthansa und unser Abflugtag liegt in einer Lücke, in der gerade mal weder Piloten noch Kabinenpersonal streiken, wir Glückspilze! Der Flug nach Frankfurt ist schnell vorbei und das großzügige Zeitfenster zwischen Zubringer und Langstrecke macht das Umsteigen entspannt.
Als wir an unserem Gate ankommen, ist der Mister beeindruckt. Eine Boeing 747-8, das längste Passagierflugzeug der Welt, wartet auf uns. Der Riesenvogel ist tatsächlich ausgebucht, von Touristenmangel in Florida ist zumindest hier und heute nichts zu merken.

Wir haben den Mittel- und Gangplatz in einer Dreierreihe, aber der Trick geht nicht auf, ausgebucht ist ausgebucht, und natürlich erscheint dann noch jemand für den Fensterplatz. Ein netter junger Mann, der uns die Hälfte seines Essens abtritt. Lufthansa kann mit Air France natürlich lange nicht mithalten was den Mampf anbetrifft, aber den Nachtisch und den Käse nehmen wir dankend an. Dazu Rotwein, also zumindest ich bin zufrieden.
Die Filmauswahl ist umfangreich, ich gucke Eden, die Verfilmung des bis heute nicht völlig aufgeklärten Mordfalles um die Deutschen Auswandererfamilien Ritter und Wittmer auf den Galapagosinseln in den 30er Jahren. Die Geschichte ist mir ganz gut bekannt und ich war sowieso sehr gespannt auf den Film. Daniel Brühl mag ich auch und die Verfilmung gefällt mir. Es ist fesselnd, trotz der zwei Stunden Länge, und es vertreibt die Müdigkeit.
https://www.youtube.com/watch?v=Te5KROi7SWk
Wie immer, wenn man tagsüber mit der Zeit fliegt, scheint der Tag sich endlos auszudehnen. Aber irgendwann ist es geschafft, wir fliegen zwischen Florida und Grand Bahama die Küste entlang und biegen dort scharf rechts ab nach Miami.

Daß wir nicht gleich auf die Bahamas fliegen, sondern erst daran vorbei und später wieder zurück, hat seine Gründe in den Preisen von British Airways, die für einen Direktflug nach Nassau solche aberwitzigen Summen für einen normalen Ecoplatz haben wollten, daß wir dankend verzichteten und lieber den Umweg in Kauf nahmen und daraus dann auch gleich einen richtigen Aufenthalt machen wollten.
Drei Tage Miami als Einstieg, zum Akklimatisieren und auch um mal etwas Neues auszuprobieren. Die Unterkunft für die ersten drei Tage hat der Mister ausgesucht. Mal nicht, wie sonst immer, Miami Beach, sondern Miami direkt, historisches Viertel, historisches Hotel. Wir sind sehr gespannt.
Neu ist daher für uns auch, daß wir diesmal nicht zum Car Rental Center müssen. Gehen Sie nicht am bunten Fenster vorbei zum Mover, ziehen sie keinen Mietwagen ein, sondern rücken Sie direkt zum Taxistand vor. Dauert ein bißchen, bis wir uns orientiert haben.
Draußen steht ein Dispatcher, der uns ein Taxi zuweist, die Fahrt dauert gut 20 Minuten. Irgendwo kurz vor Downtown verlassen wir die Autobahn und gelangen in ein Viertel mit kleinen Einfamilienhäusern zwischen dem Miami River, von dem unser Hotel seinen Namen hat, und der Interstate 95, die das Wohngebiet von den Hochhäusern in Brickell trennt. Im Vorbeifahren passieren wir die Anlagen der Reiterstaffel von Miami, leider zu schnell, um ein Foto zu machen. Ich wußte gar nicht, daß Miami überhaupt berittene Polizei hat.
Und dann sind wir angekommen im Miami River Inn.

Es ist heiß, der Himmel strahlend blau, und die weißen Art Déco-Gebäude, die das Hotel zur Straße hin begrenzen, sehen sehr ansprechend aus.

Check in ist schnell erledigt, und dann geht es hinein in die Anlage des Miami River Inn. Das erste, das man wahrnimmt, sind die Gerüche. Zwischen den Gebäuden ist die Bepflanzung so üppig, daß man sich in einem tropischen Garten glaubt. Die in unterschiedlichen Pastelltönen gestrichenen Holzhäuser sehen aus, als wären sie ursprünglich historische Einfamilienhäuser, aber tatsächlich ist dies der originale Teil des 1908 gegründeten Hotels und die Art Déco-Anlage im Eingangsbereich ist vermutlich erst später hinzugefügt worden.

Alles sieht sehr gepflegt aus, was bei den Holzgebäuden in dem subtropischen Klima sicher recht aufwendig ist. Hinter den Fenster und Terrassentüren zur jeweiligen Fassadenfarbe passende Jalousien, auf den Veranden Rattanmöbel, herrlich.
Die Häuser sind unterschiedlich groß, vor allem das Gelbe ist eine regelrechte Villa.

Unser Haus ist das grüne, hier haben wir ein großes Zimmer im ersten Stock, die Treppe ist gottseidank nicht hoch. Auch drinnen alles so gestaltet, als wären die Häuser privat bewohnt, keine nüchterne Zweckmäßigkeit. Kleine Beistelltischchen, historischer Nippes, alte Nähmaschinen, Regale voller Bücher, Gemälde.

Im Zimmer die nächste angenehme Überraschung: Die Klimaanlage läßt sich abschalten und die Fenster lassen sich öffnen. Und wenn man eines der Bücher dazwischenklemmt, bleiben sie auch auf. Vor dem Fenster wedeln die Bananenblätter und leise Musik dringt aus dem Restaurant herein. Wir finden es toll.
Das einzig Negative ist, daß es abgesehen von den überteuerten Snacks an der Rezeption weit und breit keinen Convenience Store zu geben scheint. Aber Google hilft, den nächstgelegenen Publix zu finden. Wer muß gehen? Das Los fällt auf mich.
Bevor mich die Müdigkeit also endgültig in die Horizontale zwingt, marschiere ich los, immer parallel zur 95, die hoch über mir verläuft. Darunter eine kleine Parkanlage zwischen gepflegten kleinen Bungalows. Eltern mit Kindern streben dem Spielplatz zu, Leute treiben Sport oder werkeln in ihren Gärten. Ein Idyll ist das hier.
Das Miami River Inn liegt in der 2nd Street und die Blocks sind nur kurz. An der 6th einmal links abgebogen und unter der 95 drunter durch, dahinter ist dann schon der Publix, von weitem gut zu erkennen. Auch die Unterführung unter der 95 ist nicht gruselig, keine Gestalten, keine Obdachlosenstadt.
Also, falls sich jemand immer schon mal gefragt haben sollte, wie es wohl gerade unter einem ausschaut, wenn man über die Hochstraße nach Downtown fährt:

Drei Jahre waren wir nicht mehr in Florida. Vor der Reise kam es mir lange vor, jetzt, wo wir wieder hier sind, ist es sehr vertraut, die Gerüche, die Luft, die Wärme, die Geräusche. Daß sich doch etwas verändert hat, merke ich, als ich mit meinen paar Getränken und Snacks an der Kasse stehe. 60 Dollar, in Worten: Sechzig, will man von mir für die paar Sachen. Okeeh, das ist gewöhnungsbedürftig.
Zurück in der 2nd Street kommen mir Leute entgegen, die optisch stark an Berliner Love Parade-Teilnehmer erinnern, und auf der Tanzfläche neben dem Restaurant drehen sich ein paar Leute so verzückt herum, daß man unterstellen darf, daß sie das sind, was man so under influence nennt. Angesichts des geschätzten Alters, das nah an unserem eigenen liegt, tippe ich auf Ekstasepillenkonsumenten, nur Marihuana allein stellt diesen Zustand nicht her.
Wir wußten vorher, daß hier gelegentlich Party gemacht wird und waren darauf eingestellt, daß hier vielleicht an ein paar Tagen die Woche Remmidemmi ist. Es ist dann aber gar nicht so schlimm, die Musik ist Funk und Disco, die Besucherzahlen überschaubar, die Lautstärke erträglich, für uns sowieso, weil unser Zimmer nach hinten rausgeht.
Ich finde es eher bemerkenswert, daß eine der ältesten Unterkünfte in ganz Miami es geschafft hat, sich 120 Jahre später neu zu erfinden. Die Leute scheinen zum Teil keine Gäste zu sein, sondern nur wegen der Party herzukommen. Die findet in einem kleinen Tanzbereich vor dem Restaurant statt, dahinter ein zu einer Bar umgestalteter Reisebus. Im Restaurant selbst ist das Angebot überschaubar, Burger und Pizza aus dem Steinofen.
Der Mister hat bald seinen Stammplatz auf unserer grünen Veranda gefunden, von wo aus man den direkten Blick auf die Tanzenden hat und so in Hörweite sitzt, daß man alles bequem shazamen kann, was einem gefällt. Die Musik trifft unseren Geschmack, die Stimmung und das Ambiente auch. Ich halte nicht mehr so lange durch und bin ziemlich bald eingeschlafen.
Am nächsten Morgen ist alles ruhig. Die Tanzenden sind abgezogen, keine Geräusche außer Vogelgezwitscher. Selbst die Autobahn hört man nicht. Das einzige Zivilisationsgeräusch ist mehrmals täglich das Bimmeln der Zugbrücke über den Miami River, der direkt hinter dem Hotel verläuft.

Wir haben uns gestern schon ausgemalt, wie das hier herum wohl ausgesehen hat, als das Inn 1908 gegründet wurde. Brickell, das ja ursprünglich mal Farmland war, war 1908 vermutlich schon nicht mehr sehr ländlich, aber die Gegend hier um den Fluß muß sicher sehr idyllisch gewesen sein.
Wir beginnen den Tag ganz gemütlich, Frühstück im Bett und Abhängen. Ich klemme mich ans Handy, denn morgen haben wir einen Ausflug vor und ohne Mietwagen gilt es da die Anreise zu organisieren.
Wir könnten uns natürlich an der Rezeption ein Taxi rufen lassen, aber wo wir diesmal sowieso schon nicht auf die übliche Weise unterwegs sind, warum dann nicht auch jetzt mal was Neues ausprobieren. Also gebe ich Uber mal eine Chance.
Die App ist schnell geladen und dann gebe ich Ziel und Uhrzeit ein und tatsächlich meldet sich auch ziemlich schnell ein Fahrer, der die Tour übernimmt. Für die Rückfahrt findet sich erstmal niemand, aber da bin ich ganz entspannt, nur auf dem Hinweg müssen wir pünktlich sein, es ist eine Gruppentour mit festem Beginntermin. Auf dem Rückweg ist es egal, wann und wie wir zurückkommen, und es ist ja auch noch ein ganzer Tag Zeit.

Während der Mister auf der grünen Veranda Posten bezieht, habe ich heute noch einen weiten Weg vor mir, denn hinter unserem Wohnviertel schließt sich nach Westen Little Havana an. Auch wenn ich eigentlich gern noch einen Tag Jetlag auskuriert hätte, treibt mich die Neugier an, ein neues Viertel von Miami kennenzulernen.
Das Miami River Inn liegt in der 2nd Street und ich marschiere vorbei an der 6., wo der Publix liegt, noch zwei Blöcke weiter, bis zur 8. Straße.
Hier, an der Auffahrt auf die 95, nimmt nach rechts der Highway 41 seinen Anfang. Die Straße, die in Orlando zum Orange Blossom Trail wird und einen später an Lake City vorbei bis nach Georgia führt, und die wir auch auf dieser Reise noch oft fahren werden. Nur daß sie hier zu Beginn noch niemand „die 41“ nennt, denn hier hat sie andere Namen.

Für Naturliebhaber ist sie der Tamiami Trail, der einen aus den Hochhausschluchten direkt in den Big Cypress Swamp und in die Everglades führt.
Die meisten nennen diesen Teil der Straße aber noch mal anders. Denn wir sind ja in Little Havana, und was heißt achte Straße auf Spanisch? Genau: Calle Ocho.

Wenn du keine Kokosmilch hast, machste einfach normales Wasser.
- Grubi -
https://s12.directupload.net/images/210215/bx7vkcag.jpg
- Grubi -
https://s12.directupload.net/images/210215/bx7vkcag.jpg
Re: Blue Holes, Backroads und Buschbrände - Florida und Bahamas 2026
Erstmal bin ich ja zugegebenermaßen ein bißchen enttäuscht. Also nicht, daß ich erwartet hätte, daß sofort ab der Straßenecke verrostete Oldtimer mit Heckflossen um mich herumcruisen, als wären wir tatsächlich in Havanna. Eigentlich ist das hier ein ganz normales Wohnviertel, mit asiatischen Restaurants, ein paar Supermärkten und Seven Elevens und Nagelstudios.
Ich weiß natürlich, daß Little Havana nicht nur aus der Calle Ocho besteht, sondern viel größer ist, aber immerhin soll hier das Herz des ganzen Viertels schlagen, und bis jetzt ist der Puls ja irgendwie sehr ruhig.
Irgendwann taucht an der linken Straßenseite etwas Historisches auf, Säulen mit Inschriften, Springbrunnen, kubanischen und amerikanischen Flaggen, einer Baumallee und darunter Bänken, auf denen man im Schatten sitzen kann. Das ist mir nicht nur für eine Pause willkommen, sondern auch, weil es das erste Indiz ist, daß wir uns hier im Viertel der Kubanischen Diaspora befinden.
https://thecuban.org/
Später erfahre ich, daß es ein paar Straßen weiter ein Museum genau dieses Namens gibt, aber jetzt gerade bin ich an der Gedenkstätte der Invasion der Schweinebucht 1961, als über 1000 kubanische Exilanten mit Unterstützung der CIA versuchten, das sozialistische Regime in ihrer Heimat zu stürzen. In der Schule kam das vor, aber so richtig habe ich mich dafür damals nicht interessiert und lese hier zum ersten Mal bewußt die Hintergründe. Reisen bildet.

Als ich dann weitergehe, wird es dann auch langsam so, wie ich es mir vorgestellt habe. Erst ein Schild, das auf Little Havana hinweist,

und dann immer mehr:

Immer bunter und lebendiger wird es und es ist alles da, was man so erwartet, wenn Kubaner und ein paar Lateinamerikaner anderer Nationalitäten, die es hier natürlich auch gibt, sich eine neue Heimat aufbauen.
Zigarrenfabriken und Bars,

Lateinamerikanische Kinos im Miami Modern-Stil

und die obligatorischen zahmen Papageien:

Es ist natürlich alles sehr touristisch. Nur wenig ist erhalten, das vermutlich aus der vor-touristischen Zeit stammt:

Die Straßencafés und Bars sind gut besucht, jetzt schon am Nachmittag. Abends und nachts ist hier vermutlich richtig was los und sicherlich auch noch eine ganz andere Atmosphäre, wenn man die vielen Lichterketten betrachtet, die dann vermutlich zum Einsatz kommen.
Der belebte Teil der Calle Ocho zieht sich, bestimmt drei Haltestellen weit hätte man den Bus nehmen könne, schätze ich, bis man am Ende ist und die Straße langsam wieder in ruhigere Wohnbebauung übergeht.
Wenn man von Westen in die Stadt hineinfährt, markiert er den Beginn der offiziellen Calle Ocho:

Und genau wie in Key West sind Hähne hier allgegenwärtig, zumindest als Kunstobjekte:

Murals gibt es hier fast genauso viele wie in Wynwood, nur sind sie halt nicht sozialkritisch, sondern haben immer nur einen Little Havana-Bezug.

Und dabei dürfen sie natürlich nicht fehlen: Miami Sound Machine

Beide, Gloria Estefan und ihr Mann, sind noch in Kuba geboren und haben in den frühen 90ern, als nur wenige Leute überhaupt je vom Buena Vista Social Club gehört hatten, kubanische Musik in der Welt bekannt gemacht. 1996 haben sie ein legendäres Konzert für kubanische Flüchtlinge auf dem amerikanischen Militärstützpunkt in Guantanamo gegeben, das bis heute als historischer Moment in der Geschichte des verzwicketen amerikanisch-kubanischen Verhältnisses gesehen wird.
https://www.youtube.com/watch?v=RVV-0oq ... hM&index=2
Und als ich wieder an der Auffahrt zur 95 und somit dem Ende der Calle Ocho angekommen bin

beschert mir die Straße zum Abschied dann auch noch einen echten, lebendigen Gockel, der am Straßenrand herumscharrt.

Sah merkwürdig aus, so vor der Kulisse der Hochhäuser von Brickell.
Als ich im Miami River Inn bei unserem grünen Häuschen ankomme, bin ich ziemlich fertig von dem Marsch in der Hitze, aber auch happy. Bei irgendeiner zukünftigen Reise, sofern wir Miami dann wieder einbauen, würden wir die Calle Ocho schon gern nochmal besuchen, aber dann vielleicht lieber mit dem Auto und zur Abwechslung abends. Tatsächlich kann ich den Besuch aber auch bei Tag empfehlen, es war nicht nur unterhaltsam, sondern auch interessant. Die Stimmung war entspannt und ich habe mich zu keinem Zeitpunkt irgendwo unwohl gefühlt.

Ich weiß natürlich, daß Little Havana nicht nur aus der Calle Ocho besteht, sondern viel größer ist, aber immerhin soll hier das Herz des ganzen Viertels schlagen, und bis jetzt ist der Puls ja irgendwie sehr ruhig.
Irgendwann taucht an der linken Straßenseite etwas Historisches auf, Säulen mit Inschriften, Springbrunnen, kubanischen und amerikanischen Flaggen, einer Baumallee und darunter Bänken, auf denen man im Schatten sitzen kann. Das ist mir nicht nur für eine Pause willkommen, sondern auch, weil es das erste Indiz ist, daß wir uns hier im Viertel der Kubanischen Diaspora befinden.
https://thecuban.org/
Später erfahre ich, daß es ein paar Straßen weiter ein Museum genau dieses Namens gibt, aber jetzt gerade bin ich an der Gedenkstätte der Invasion der Schweinebucht 1961, als über 1000 kubanische Exilanten mit Unterstützung der CIA versuchten, das sozialistische Regime in ihrer Heimat zu stürzen. In der Schule kam das vor, aber so richtig habe ich mich dafür damals nicht interessiert und lese hier zum ersten Mal bewußt die Hintergründe. Reisen bildet.

Als ich dann weitergehe, wird es dann auch langsam so, wie ich es mir vorgestellt habe. Erst ein Schild, das auf Little Havana hinweist,

und dann immer mehr:

Immer bunter und lebendiger wird es und es ist alles da, was man so erwartet, wenn Kubaner und ein paar Lateinamerikaner anderer Nationalitäten, die es hier natürlich auch gibt, sich eine neue Heimat aufbauen.
Zigarrenfabriken und Bars,

Lateinamerikanische Kinos im Miami Modern-Stil

und die obligatorischen zahmen Papageien:

Es ist natürlich alles sehr touristisch. Nur wenig ist erhalten, das vermutlich aus der vor-touristischen Zeit stammt:

Die Straßencafés und Bars sind gut besucht, jetzt schon am Nachmittag. Abends und nachts ist hier vermutlich richtig was los und sicherlich auch noch eine ganz andere Atmosphäre, wenn man die vielen Lichterketten betrachtet, die dann vermutlich zum Einsatz kommen.
Der belebte Teil der Calle Ocho zieht sich, bestimmt drei Haltestellen weit hätte man den Bus nehmen könne, schätze ich, bis man am Ende ist und die Straße langsam wieder in ruhigere Wohnbebauung übergeht.
Wenn man von Westen in die Stadt hineinfährt, markiert er den Beginn der offiziellen Calle Ocho:

Und genau wie in Key West sind Hähne hier allgegenwärtig, zumindest als Kunstobjekte:

Murals gibt es hier fast genauso viele wie in Wynwood, nur sind sie halt nicht sozialkritisch, sondern haben immer nur einen Little Havana-Bezug.

Und dabei dürfen sie natürlich nicht fehlen: Miami Sound Machine

Beide, Gloria Estefan und ihr Mann, sind noch in Kuba geboren und haben in den frühen 90ern, als nur wenige Leute überhaupt je vom Buena Vista Social Club gehört hatten, kubanische Musik in der Welt bekannt gemacht. 1996 haben sie ein legendäres Konzert für kubanische Flüchtlinge auf dem amerikanischen Militärstützpunkt in Guantanamo gegeben, das bis heute als historischer Moment in der Geschichte des verzwicketen amerikanisch-kubanischen Verhältnisses gesehen wird.
https://www.youtube.com/watch?v=RVV-0oq ... hM&index=2
Und als ich wieder an der Auffahrt zur 95 und somit dem Ende der Calle Ocho angekommen bin

beschert mir die Straße zum Abschied dann auch noch einen echten, lebendigen Gockel, der am Straßenrand herumscharrt.

Sah merkwürdig aus, so vor der Kulisse der Hochhäuser von Brickell.
Als ich im Miami River Inn bei unserem grünen Häuschen ankomme, bin ich ziemlich fertig von dem Marsch in der Hitze, aber auch happy. Bei irgendeiner zukünftigen Reise, sofern wir Miami dann wieder einbauen, würden wir die Calle Ocho schon gern nochmal besuchen, aber dann vielleicht lieber mit dem Auto und zur Abwechslung abends. Tatsächlich kann ich den Besuch aber auch bei Tag empfehlen, es war nicht nur unterhaltsam, sondern auch interessant. Die Stimmung war entspannt und ich habe mich zu keinem Zeitpunkt irgendwo unwohl gefühlt.

Wenn du keine Kokosmilch hast, machste einfach normales Wasser.
- Grubi -
https://s12.directupload.net/images/210215/bx7vkcag.jpg
- Grubi -
https://s12.directupload.net/images/210215/bx7vkcag.jpg
Re: Blue Holes, Backroads und Buschbrände - Florida und Bahamas 2026
Klasse, macht wieder Spaß zu lesen.
Und offenbar gibt es ja auch immer wieder Neues zu berichten.
Und offenbar gibt es ja auch immer wieder Neues zu berichten.
- mr.minolta
- Beiträge: 1781
- Registriert: 04 Jun 2008 00:39
- Wohnort: Da, wo früher alles besser war
Re: Blue Holes, Backroads und Buschbrände - Florida und Bahamas 2026
Wir bekommen übrigens nicht nur keinen Challenger. Das, was wir bekommen, ist die reinste Katastrophe auf vier Rädern... Dazu später mehr.
Tolle Autos gibt es natürlich trotzdem zu sehen. Von wunderschön bis bizarr und lustig. Und was dem AMG-SUV hier gerade bis zum Türgriff reicht, ist in den USA inzwischen sowas wie ein Volkssportwagen geworden. Eine C8 steht in Miami, und nicht nur hier, wirklich an jeder Ecke, parkt vor jeder Burger-Bude und vor jedem Walmart. In Florida bloß 10 Minuten durch eine Stadt zu fahren und keine zu sehen, ist ausgeschlossen.

Der R8 hat, wie auch der Challenger, sein Produktionsende erlebt. Also dreht man jetzt erst recht am Rad. In Zucker-Rosa und mit ordentlich Glitter soll er wohl unsterblich werden.

Dieses Fahrzeug hingegen kann man nicht verschandeln. Ihm steht jede Farbe und man sieht es im Verkehr genau so häufig wie die Corvette, nur nicht mehr in meinen Händen...

Ob er noch lackiert wird oder so verbleiben soll? So oder so, der Mustang der ersten Generation ist der Hingucker im Hafen von Key Biscayne und die durch die Lackreste geweckte Assoziation hat man schon, bevor man den Sticker in der Heckscheibe entdeckt. Zu wünschen wär's ihm ja, entsprechend vollendet zu werden.

Zu guter Letzt nicht schnell, nicht rosa und auch nicht rostig. Gehört für mich zu den Dingen, die die Welt nicht braucht, aber dennoch irgendwie niedlich.

Tolle Autos gibt es natürlich trotzdem zu sehen. Von wunderschön bis bizarr und lustig. Und was dem AMG-SUV hier gerade bis zum Türgriff reicht, ist in den USA inzwischen sowas wie ein Volkssportwagen geworden. Eine C8 steht in Miami, und nicht nur hier, wirklich an jeder Ecke, parkt vor jeder Burger-Bude und vor jedem Walmart. In Florida bloß 10 Minuten durch eine Stadt zu fahren und keine zu sehen, ist ausgeschlossen.

Der R8 hat, wie auch der Challenger, sein Produktionsende erlebt. Also dreht man jetzt erst recht am Rad. In Zucker-Rosa und mit ordentlich Glitter soll er wohl unsterblich werden.

Dieses Fahrzeug hingegen kann man nicht verschandeln. Ihm steht jede Farbe und man sieht es im Verkehr genau so häufig wie die Corvette, nur nicht mehr in meinen Händen...

Ob er noch lackiert wird oder so verbleiben soll? So oder so, der Mustang der ersten Generation ist der Hingucker im Hafen von Key Biscayne und die durch die Lackreste geweckte Assoziation hat man schon, bevor man den Sticker in der Heckscheibe entdeckt. Zu wünschen wär's ihm ja, entsprechend vollendet zu werden.

Zu guter Letzt nicht schnell, nicht rosa und auch nicht rostig. Gehört für mich zu den Dingen, die die Welt nicht braucht, aber dennoch irgendwie niedlich.

Es scheint, daß es neben der Republik der Seychellen auf der Welt kein zweites Land gibt, das für sich selbst derart ausdrücklich mit besonderem Umweltschutz wirbt und in der Realität so unfaßbar dreist das absolute Gegenteil davon praktiziert.
Re: Blue Holes, Backroads und Buschbrände - Florida und Bahamas 2026
Am nächsten Morgen eine unangenehme Überraschung, die alles bestätigt, was mich bislang davon abgehalten hat, Uber zu nutzen. Unser Fahrer, der sich die Tour am Vortag sofort reserviert hat, hat sich gelöscht und bislang hat sich kein neuer gefunden.
Nun müssen wir zu dieser Tour aber unbedingt pünktlich sein, es gibt genaue Anweisungen, daß man eine halbe Stunde vor Beginn zwecks Einweisung am Treffpunkt zu sein hat. Sollten wir diese Tour verpassen, wäre das richtig Mist, denn ganz unabhängig davon, daß sie bezahlt ist, ist das Ziel genau das, das beim nächsten Wirbelsturm in der Biscayne Bay auf Nimmerwiedersehen verschwinden könnte.
Um kein Risiko einzugehen, cancele ich die Uber-Bestellung und buche ein Taxi, und für den restlichen Vormittag ist mir wo
hler. Wir haben erst eine Nachmittagstour gebucht, die in das gute Fotolicht am Abend übergehen wird, und um 13 Uhr werden wir abgeholt. Der Fahrer ist pünktlich und fährt einen nagelneuen Audi SQ5. Der Mister und er kommen über Autos allgemein und Audi im Besonderen schnell ins Fachsimpeln. Ist ja immer so, der Amerikaner will das europäische Auto und umgekehrt.
Er hat selbst mal Uber gefahren und erklärt uns auch, wie das da so abläuft. Die Fahrer schauen schon, ob sie von einem Zielort dann wieder gut mit einer Rücktour wegkommen, ist es ein Ort an dem man wahrscheinlich keine neuen Gäste aufnehmen kann, sind die Touren unbeliebt. Man muß aber einfach Geduld haben, meist findet sich vorher trotzdem noch ein Fahrer, der nichts Besseres hat. Jetzt wird mir die Sache langsam klarer.
Unser Ziel ist die Dinner Key Marina, mit Blick auf Key Biscayne auf der gegenüberliegende Seite der Bucht. Wir verabschieden uns von unserem Fahrer und setzen uns in den Schatten und warten, überpünktlich wie wir sind. Vor uns der Anleger des Biscayne National Park Institute. Von hier aus soll es losgehen, aber noch ist kein Boot da und auch keine anderen Menschen, die zu unserer Tour passen könnten.
Der Mister vertreibt sich die Zeit mit den Autos,

ich mit Grübeln, ob das Boot wohl ein Klo hat oder ob ich vorher nochmal auf das Dinner Key-Dixie muß. Naja, sicher ist sicher und ich habe schon schlimmere Dixies gesehen.
Irgendwann werden wir unruhig, ganz egal ob mit Toilette oder ohne, schön wäre, wenn jetzt langsam mal überhaupt irgendein Boot käme. Und auch sonst sind wir immer noch ganz allein auf weiter Flur. Die vorgeschriebene Ankunftszeit ist lange unterschritten, und immer noch ist hier niemand außer uns. Ob das mangels Teilnehmern ausfällt und uns bloß niemand Bescheid gesagt hat?
Als ich kurz davor bin, im Institut anzurufen, spricht mich eine Frau in voller Sonnenschutzmontur an. Maria, stellt sie sich vor, und ob wir denn die beiden wären, die auf die Tour warten würden. Ja, das sind wir, und zwar schon seit einer halben Stunde, aber das sage ich so natürlich nicht. Sie entschuldigt sich dann auch, die lange Vorlaufzeit wäre eigentlich nur so als Puffer genannt, weil die Leute sonst immer zu spät kämen, weil sie den Verkehr in Miami unterschätzen. Gut, das macht schon Sinn, hätten wir das gewußt, wären wir entspannter gewesen.
Das Boot, zu dem Maria gehört, hätte ich nie für unseres gehalten, es ist riesig. Hier würden locker 30 Personen Platz finden, und natürlich hat es eine Toilette. Und ein Sonnendach, und jede Menge Sitzplätze, und Wasser aus einem Cooler, soviel man möchte. Außer Maria sind noch der Skipper und ein Helfer an Bord. Und wir. Und zwar nur wir und sonst niemand, denn es kommt auch niemand mehr. Eine Privattour nur für uns. Hammer.

Los geht’s, hinaus auf die Bucht, hinüber nach Key Biscayne. Es ist unfaßbar, was für ein Bootsverkehr hier herrscht. Die Biscayne Bay ist neben all denen, die hier leben und arbeiten auch Tummelplatz für die Schönen und Reichen, die ihre hochmotorisierten Boote ausführen, ob sie die nun beherrschen oder nicht. Schon kurz nach dem Verlassen des Hafens werden wir von so einem Exemplar geschnitten, unser Skipper hupt entrüstet und flucht.
Wir bekommen ein bißchen was über Mangroven erklärt und wie flach die Bucht sei. Wie flach sie tatsächlich ist, werden wir noch sehen, denn kurz vor Key Biscayne ankern die Boote um die Sandbänke herum, wo das Wasser gerade noch tief genug ist, und zwischen den Booten stehen die Leute im Wasser, das ihnen nur bis zur Taille reicht, und unterhalten sich.

So weit draußen in der Bucht sieht das sehr seltsam aus, die Menschen, die mitten auf dem quasi offenen Meer im Wasser stehen wie auf einer Cocktailparty. Aber irgendwie auch cool, die ganze Szenerie hat was, es ist schon sehr speziell.

Und nicht ungefährlich, wie wir wenig später hören, denn in den Tagen nach unserem Besuch werden hier mehrere Menschen durch Bootsunfälle ums Leben kommen, weil die Fahrer die Kontrolle über ihre Boote verlieren. Der erste Fall, bei dem der Verursacher Fahrerflucht begeht, löst in den Medien in den kommenden Wochen ein ziemliches Echo aus, das bis auf die Bahamas reicht.
https://www.local10.com/news/local/2026 ... cayne-bay/
Ich war noch nie auf Key Biscayne und bin erstaunt, daß das hier so dicht bebaut ist. Eines der Häuser im Mediterranean Revival Stil gefällt uns besonders gut.

Interessanter ist aber ein anderes. Hier, wo heute der weiße Bungalow steht, befand sich früher Richard Nixons Winterdomizil, das Winter White House. Und das erklärt auch, weshalb es hier, wo die Quadratmeterpreise mit die höchsten der Welt sind, direkt Waterfront so eine große unbebaute Fläche existiert. Das war der Hubschrauberlandeplatz.

Aber auch das aktuelle Gebäude, das anstelle des abgerissenen Winter White House errichtet wurde, hat es in sich. Das Haus, das zuletzt für einen Angebotspreis von über 230 Millionen Dollar als eines der teuersten Häuser in ganz Miami auf den Markt kam, hatte eine nicht ganz unbedeutende Rolle als Wohnort von Drogenhändler Frank Lopez in Scarface und daher seine Bezeichnung als „Scarface-Estate“.
Vielleicht auch für Nicht-Scarface-Fans ganz interessant, sich das Scarface-Estate mal anzuschauen. Für 237 Millionen Dollar darf ein Haus dann auch mal seinen eigenen Internet-Auftritt haben:
https://www.thescarfaceestate.com/
Mit einer weiten Kurve um die Sandbänke herum geht es an der Küste von Key Biscayne entlang. Wenn man den letzten Palazzo Protzi hinter sich gelassen hat, kommt nur noch unbebaute Küste und Wald bis zum Leuchtturm am Cape Florida, das ist der Billy Baggs State Park.
Und am Cape Florida Lighthouse dann plötzlich die Überraschung.

Einmal um die Kurve und völlig unerwartet dann der überfüllte Strand von Cape Florida.
Damit lassen wir Key Biscayne hinter uns und kommen jetzt erst zum eigentlichen Ziel unserer Tour.

Denn mit Key Biscayne im Rücken kann man ihn in der Ferne schon sehr gut erkennen, den Ort, um den ich bei jedem Hurricane im vergangenen Jahr gezittert habe: Stiltsville.

Nun müssen wir zu dieser Tour aber unbedingt pünktlich sein, es gibt genaue Anweisungen, daß man eine halbe Stunde vor Beginn zwecks Einweisung am Treffpunkt zu sein hat. Sollten wir diese Tour verpassen, wäre das richtig Mist, denn ganz unabhängig davon, daß sie bezahlt ist, ist das Ziel genau das, das beim nächsten Wirbelsturm in der Biscayne Bay auf Nimmerwiedersehen verschwinden könnte.
Um kein Risiko einzugehen, cancele ich die Uber-Bestellung und buche ein Taxi, und für den restlichen Vormittag ist mir wo
hler. Wir haben erst eine Nachmittagstour gebucht, die in das gute Fotolicht am Abend übergehen wird, und um 13 Uhr werden wir abgeholt. Der Fahrer ist pünktlich und fährt einen nagelneuen Audi SQ5. Der Mister und er kommen über Autos allgemein und Audi im Besonderen schnell ins Fachsimpeln. Ist ja immer so, der Amerikaner will das europäische Auto und umgekehrt.
Er hat selbst mal Uber gefahren und erklärt uns auch, wie das da so abläuft. Die Fahrer schauen schon, ob sie von einem Zielort dann wieder gut mit einer Rücktour wegkommen, ist es ein Ort an dem man wahrscheinlich keine neuen Gäste aufnehmen kann, sind die Touren unbeliebt. Man muß aber einfach Geduld haben, meist findet sich vorher trotzdem noch ein Fahrer, der nichts Besseres hat. Jetzt wird mir die Sache langsam klarer.
Unser Ziel ist die Dinner Key Marina, mit Blick auf Key Biscayne auf der gegenüberliegende Seite der Bucht. Wir verabschieden uns von unserem Fahrer und setzen uns in den Schatten und warten, überpünktlich wie wir sind. Vor uns der Anleger des Biscayne National Park Institute. Von hier aus soll es losgehen, aber noch ist kein Boot da und auch keine anderen Menschen, die zu unserer Tour passen könnten.
Der Mister vertreibt sich die Zeit mit den Autos,

ich mit Grübeln, ob das Boot wohl ein Klo hat oder ob ich vorher nochmal auf das Dinner Key-Dixie muß. Naja, sicher ist sicher und ich habe schon schlimmere Dixies gesehen.
Irgendwann werden wir unruhig, ganz egal ob mit Toilette oder ohne, schön wäre, wenn jetzt langsam mal überhaupt irgendein Boot käme. Und auch sonst sind wir immer noch ganz allein auf weiter Flur. Die vorgeschriebene Ankunftszeit ist lange unterschritten, und immer noch ist hier niemand außer uns. Ob das mangels Teilnehmern ausfällt und uns bloß niemand Bescheid gesagt hat?
Als ich kurz davor bin, im Institut anzurufen, spricht mich eine Frau in voller Sonnenschutzmontur an. Maria, stellt sie sich vor, und ob wir denn die beiden wären, die auf die Tour warten würden. Ja, das sind wir, und zwar schon seit einer halben Stunde, aber das sage ich so natürlich nicht. Sie entschuldigt sich dann auch, die lange Vorlaufzeit wäre eigentlich nur so als Puffer genannt, weil die Leute sonst immer zu spät kämen, weil sie den Verkehr in Miami unterschätzen. Gut, das macht schon Sinn, hätten wir das gewußt, wären wir entspannter gewesen.
Das Boot, zu dem Maria gehört, hätte ich nie für unseres gehalten, es ist riesig. Hier würden locker 30 Personen Platz finden, und natürlich hat es eine Toilette. Und ein Sonnendach, und jede Menge Sitzplätze, und Wasser aus einem Cooler, soviel man möchte. Außer Maria sind noch der Skipper und ein Helfer an Bord. Und wir. Und zwar nur wir und sonst niemand, denn es kommt auch niemand mehr. Eine Privattour nur für uns. Hammer.

Los geht’s, hinaus auf die Bucht, hinüber nach Key Biscayne. Es ist unfaßbar, was für ein Bootsverkehr hier herrscht. Die Biscayne Bay ist neben all denen, die hier leben und arbeiten auch Tummelplatz für die Schönen und Reichen, die ihre hochmotorisierten Boote ausführen, ob sie die nun beherrschen oder nicht. Schon kurz nach dem Verlassen des Hafens werden wir von so einem Exemplar geschnitten, unser Skipper hupt entrüstet und flucht.
Wir bekommen ein bißchen was über Mangroven erklärt und wie flach die Bucht sei. Wie flach sie tatsächlich ist, werden wir noch sehen, denn kurz vor Key Biscayne ankern die Boote um die Sandbänke herum, wo das Wasser gerade noch tief genug ist, und zwischen den Booten stehen die Leute im Wasser, das ihnen nur bis zur Taille reicht, und unterhalten sich.

So weit draußen in der Bucht sieht das sehr seltsam aus, die Menschen, die mitten auf dem quasi offenen Meer im Wasser stehen wie auf einer Cocktailparty. Aber irgendwie auch cool, die ganze Szenerie hat was, es ist schon sehr speziell.

Und nicht ungefährlich, wie wir wenig später hören, denn in den Tagen nach unserem Besuch werden hier mehrere Menschen durch Bootsunfälle ums Leben kommen, weil die Fahrer die Kontrolle über ihre Boote verlieren. Der erste Fall, bei dem der Verursacher Fahrerflucht begeht, löst in den Medien in den kommenden Wochen ein ziemliches Echo aus, das bis auf die Bahamas reicht.
https://www.local10.com/news/local/2026 ... cayne-bay/
Ich war noch nie auf Key Biscayne und bin erstaunt, daß das hier so dicht bebaut ist. Eines der Häuser im Mediterranean Revival Stil gefällt uns besonders gut.

Interessanter ist aber ein anderes. Hier, wo heute der weiße Bungalow steht, befand sich früher Richard Nixons Winterdomizil, das Winter White House. Und das erklärt auch, weshalb es hier, wo die Quadratmeterpreise mit die höchsten der Welt sind, direkt Waterfront so eine große unbebaute Fläche existiert. Das war der Hubschrauberlandeplatz.

Aber auch das aktuelle Gebäude, das anstelle des abgerissenen Winter White House errichtet wurde, hat es in sich. Das Haus, das zuletzt für einen Angebotspreis von über 230 Millionen Dollar als eines der teuersten Häuser in ganz Miami auf den Markt kam, hatte eine nicht ganz unbedeutende Rolle als Wohnort von Drogenhändler Frank Lopez in Scarface und daher seine Bezeichnung als „Scarface-Estate“.
Vielleicht auch für Nicht-Scarface-Fans ganz interessant, sich das Scarface-Estate mal anzuschauen. Für 237 Millionen Dollar darf ein Haus dann auch mal seinen eigenen Internet-Auftritt haben:
https://www.thescarfaceestate.com/
Mit einer weiten Kurve um die Sandbänke herum geht es an der Küste von Key Biscayne entlang. Wenn man den letzten Palazzo Protzi hinter sich gelassen hat, kommt nur noch unbebaute Küste und Wald bis zum Leuchtturm am Cape Florida, das ist der Billy Baggs State Park.
Und am Cape Florida Lighthouse dann plötzlich die Überraschung.

Einmal um die Kurve und völlig unerwartet dann der überfüllte Strand von Cape Florida.
Damit lassen wir Key Biscayne hinter uns und kommen jetzt erst zum eigentlichen Ziel unserer Tour.

Denn mit Key Biscayne im Rücken kann man ihn in der Ferne schon sehr gut erkennen, den Ort, um den ich bei jedem Hurricane im vergangenen Jahr gezittert habe: Stiltsville.

Wenn du keine Kokosmilch hast, machste einfach normales Wasser.
- Grubi -
https://s12.directupload.net/images/210215/bx7vkcag.jpg
- Grubi -
https://s12.directupload.net/images/210215/bx7vkcag.jpg
Re: Blue Holes, Backroads und Buschbrände - Florida und Bahamas 2026
Der genaue Entstehungszeitraum der ersten Stelzenhäuser in der Biscayne Bay liegt ein bißchen im Dunklen. Schon in den frühen 20er Jahren soll es hier Häuser gegeben haben, damals vermutlich noch mit ganz harmloser, zweckmäßiger Nutzung durch Fischer.
Die Idee, aus seiner Stelzenhütte ein Restaurant zu machen, hatte dann der Legende nach ein lokaler Fischer namens Crawfish Eddie. Und mit der Prohibition nahm die Sache dann richtig Fahrt auf und in den zu Höchstzeiten 28 Hütten steppte der Bär.
Am legendärsten, so erzählt Maria, war der Bikini-Club, in dem Frauen die nur dies oder weniger trugen, die Getränke frei hatten. Stiltsville erwarb sich so seinen Ruf als verruchter Ort draußen auf den „Flats“, an dem andere Gesetze und Regeln gelten. Kaum vorstellbar, wie es gewesen sein muß, hier draußen zu leben, am Rande der Biscayne Bay, fernab von allem.
Ein Hurricane nach dem anderen dezimierte die schwer instand zu haltenden Häuser, zuletzt Andrew 1992. Danach standen von den bis dahin verbliebenen 14 Häusern nur noch 7, die bis heute vom Stiltsville Trust verwaltet und gepflegt werden.
Und das sind die sieben Überlebenden, die man heute noch besuchen, und wenn man die Genehmigung des Stiltsville Trust hat, auch betreten darf:

Das A-Frame House. Anfangs ein Club, zuletzt die Kirche von Stiltsville, bevor es abbrannte.

Heute ist es ein Rückzugsort für Wasservögel, da es aufgrund seines Zustandes nicht mehr durch Menschen genutzt wird


Baldwin House

Jimmy Ellenburg-House

LeShaw-House

Bay Chateau



Und der Miami Springs Power Boat Club, das einzige Haus, das wirklich regelmäßig genutzt wird, weil der Club hier seinen Sitz hat.

Jeder Pfosten hat seinen eigenen Kormoran

Am weitesten draußen liegt das Hicks House, das einzige, das nicht in den sonst vorherrschenden Pastellfarben gestrichen ist, sondern die ursprüngliche Holzverkleidung zeigt.

Zwischen den Häusern das Wrack einer auf Grund gelaufenen alten Fähre. So überwachsen von Seegras und Algen, wie das inzwischen ist, lockt es Manatees an, und wir haben Glück und sehen sogar zwei.
Für unsere Bootsbesatzung, die ja zum Nationalpark gehört, ist die Sichtung natürlich besonders interessant und wir kreisen einige Zeit um das Wrack. Fotos gelingen uns trotzdem nicht wirklich, aber vielleicht erkennt man die Schnauze beim Luftholen:

Wie klein und zerbrechlich sogar das recht große Baldwin-House vor der Skyline von Miami aussieht. Unfaßbar, daß das hier schon über 100 Jahre überdauert.
Dann fahren wir langsam zurück und der Abschied von Stiltsville macht schon arg melancholisch. Stiltsville sollte abgerissen werden, als klar wurde, daß der neue Nationalpark den Ort mit einschließen würde. Nur eine Petitition mit fast 100.000 Unterschriften von Menschen, denen die Häuser etwas bedeuteten, verhinderten das.
Stiltsville ist ein magischer Ort, den man leider versäumt hat, rechtzeitig unter Denkmalschutz zu stellen, bevor er dem Biscayne Bay Nationalpark eingemeindet wurde. Werden die Häuser durch einen zukünftigen Wirbelsturm zerstört, dürfen sie nicht wieder aufgebaut werden. Und so robust sie auch sein mögen, daß irgendwann ein Kategorie 5-Hurricane kommen wird, ist sicher. Und dann wird ein Stück historisches Florida für immer verschwunden sein.
https://www.youtube.com/watch?v=g6u1Rec2G2Y
Die Idee, aus seiner Stelzenhütte ein Restaurant zu machen, hatte dann der Legende nach ein lokaler Fischer namens Crawfish Eddie. Und mit der Prohibition nahm die Sache dann richtig Fahrt auf und in den zu Höchstzeiten 28 Hütten steppte der Bär.
Am legendärsten, so erzählt Maria, war der Bikini-Club, in dem Frauen die nur dies oder weniger trugen, die Getränke frei hatten. Stiltsville erwarb sich so seinen Ruf als verruchter Ort draußen auf den „Flats“, an dem andere Gesetze und Regeln gelten. Kaum vorstellbar, wie es gewesen sein muß, hier draußen zu leben, am Rande der Biscayne Bay, fernab von allem.
Ein Hurricane nach dem anderen dezimierte die schwer instand zu haltenden Häuser, zuletzt Andrew 1992. Danach standen von den bis dahin verbliebenen 14 Häusern nur noch 7, die bis heute vom Stiltsville Trust verwaltet und gepflegt werden.
Und das sind die sieben Überlebenden, die man heute noch besuchen, und wenn man die Genehmigung des Stiltsville Trust hat, auch betreten darf:

Das A-Frame House. Anfangs ein Club, zuletzt die Kirche von Stiltsville, bevor es abbrannte.

Heute ist es ein Rückzugsort für Wasservögel, da es aufgrund seines Zustandes nicht mehr durch Menschen genutzt wird


Baldwin House

Jimmy Ellenburg-House

LeShaw-House

Bay Chateau



Und der Miami Springs Power Boat Club, das einzige Haus, das wirklich regelmäßig genutzt wird, weil der Club hier seinen Sitz hat.

Jeder Pfosten hat seinen eigenen Kormoran

Am weitesten draußen liegt das Hicks House, das einzige, das nicht in den sonst vorherrschenden Pastellfarben gestrichen ist, sondern die ursprüngliche Holzverkleidung zeigt.

Zwischen den Häusern das Wrack einer auf Grund gelaufenen alten Fähre. So überwachsen von Seegras und Algen, wie das inzwischen ist, lockt es Manatees an, und wir haben Glück und sehen sogar zwei.
Für unsere Bootsbesatzung, die ja zum Nationalpark gehört, ist die Sichtung natürlich besonders interessant und wir kreisen einige Zeit um das Wrack. Fotos gelingen uns trotzdem nicht wirklich, aber vielleicht erkennt man die Schnauze beim Luftholen:

Wie klein und zerbrechlich sogar das recht große Baldwin-House vor der Skyline von Miami aussieht. Unfaßbar, daß das hier schon über 100 Jahre überdauert.
Dann fahren wir langsam zurück und der Abschied von Stiltsville macht schon arg melancholisch. Stiltsville sollte abgerissen werden, als klar wurde, daß der neue Nationalpark den Ort mit einschließen würde. Nur eine Petitition mit fast 100.000 Unterschriften von Menschen, denen die Häuser etwas bedeuteten, verhinderten das.
Stiltsville ist ein magischer Ort, den man leider versäumt hat, rechtzeitig unter Denkmalschutz zu stellen, bevor er dem Biscayne Bay Nationalpark eingemeindet wurde. Werden die Häuser durch einen zukünftigen Wirbelsturm zerstört, dürfen sie nicht wieder aufgebaut werden. Und so robust sie auch sein mögen, daß irgendwann ein Kategorie 5-Hurricane kommen wird, ist sicher. Und dann wird ein Stück historisches Florida für immer verschwunden sein.
https://www.youtube.com/watch?v=g6u1Rec2G2Y
Wenn du keine Kokosmilch hast, machste einfach normales Wasser.
- Grubi -
https://s12.directupload.net/images/210215/bx7vkcag.jpg
- Grubi -
https://s12.directupload.net/images/210215/bx7vkcag.jpg